☞ ongoing: Bilderkosmos Leipzig. 1905–2022

ein Monster ein Fratze Hanuman ein Vorhang Vignette Maske
Hanuman | 220 x 155 cm, Öl auf Leinwand, 2010, Sammlung Museum der Bildenden Künste Leipzig

 

Das Museum der bildenden Künste Leipzig präsentiert auf der nahezu vollständigen Fläche des dritten Obergeschosses, auf 14 Galerieräumen und die zentrale Halle verteilt, einen seiner wichtigsten Kunstschätze: die Malerei und Plastik des 20. und 21. Jahrhunderts. Mehr als 200 Werke, teils bekannt, teils unbekannt, sollen in einen aktiven Dialog mit den Besucher*innen treten. Diese sind dazu eingeladen aktiv mitzubestimmen, welche Themen verhandelt und welche Geschichten erzählt werden sollen. Bilderkosmos Leipzig versteht sich somit nicht als Setzung eines abgeschlossenen Konzeptes, sondern als ergebnisoffener Prozess. Dieses für das MdbK neuartige Ausstellungsprojekt ist Bestandteil eines Maßnahmenkatalogs, um das Museum als lebendigen Diskursort für die Leipziger Stadtgesellschaft stärker zu öffnen. Ziel ist es, im Anschluss an die Ausstellung, die Vielfalt der Kunst aus Leipzig der letzten 120 Jahre sichtbar zu machen. Dies geschieht unter Einbezug der Rückmeldungen, die Besucher*innen während der Ausstellungsdauer abgeben konnten und mit dem Ziel, marginalisierte Künstler*innen durch intensivere Einbindung dauerhaft sichtbar zu machen.

Das MdbK ist mit der hiesigen Kunstentwicklung, insbesondere mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst, eng verwoben. Dieses Alleinstellungsmerkmal schlägt sich deutlich im Aufbau der Sammlung des Museums nieder. Der Fokus lag und liegt auf den aus Leipzig hervorgehenden Kunstströmungen, die durch Ausstellungsprojekte oder durch gezielte Ankäufe kontinuierlich unterstützt wurden und werden. Diese Ausrichtung kulminierte vor allem in der Erwerbungspolitik im Zeitraum 1949 bis 1989. Die Kunst aus der DDR hatte spätestens mit der Gründung der Malereiklasse durch Bernhard Heisig 1961 an der Kunsthochschule ihr qualitatives Kraftzentrum in Leipzig, von wo es unter dem Begriff der „Leipziger Schule“ schnell internationale Anerkennung fand. Dieser für die Stadtidentität so ungemeine wichtige Sammlungsbestand hat mit knapp 1.000 von insgesamt 4.000 Gemälden den stärksten Anteil im MdbK.

Bilderkosmos Leipzig. 1905–2022 widmet dem Leipziger Max Beckmann, der als einer der erfolgreichsten Maler der Weimarer Republik galt und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Exil lebte, einen ganzen Ausstellungsraum. Die Ausstellung beschäftigt sich außerdem mit dem Aufkommen von Kunstströmungen wie dem Expressionismus und der Neue Sachlichkeit und kontextualisiert die Diffamierung der modernen Kunst während des nationalsozialistischen Bildersturms. Die zeitgenössische Kunst in Leipzig, maßgeblich geprägt von Neo Rauch, aber auch von der jüngeren Künstler*innengeneration der HGB, die neue stilistische Ausdrucksmöglichkeiten in der gegenständlichen Malerei sucht, ist ebenso in der Ausstellung vertreten. Von expressiven Malstrategien oder nüchtern wirkender Feinmalerei, bis hin zu abstrakten und ironisch-naiven Haltungen der Gegenwartskunst können Besucher*innen die Vielfalt der Leipziger Kunst in der Ausstellung erleben.

 

Kurator: Marcus Andrew Hurtig

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